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Auctus

Interessierter Nutzer

1

Montag, 20. Juni 2011, 14:24

Gefahren beim thermischen Spritzen mit Aluminium

Hi,

Ich bin neu hier und hab eine ( für mich persönlich ) ganz wichtige Frage.

Hat jemand von Euch schon mal mit Aluminium gespritzt ? Wenn ja, wie sah's mit der Sicherheit aus ?

Bin für jede Info dankbar



Auctus :)

2

Montag, 20. Juni 2011, 15:27

Al-Spritzen

Hallo Auctus,

welches Spritzverfahren nutzt Du? Lichtbogenspritzen?

-> Da wäre die nötige Vorsicht geboten, wegen der Al-dämpfe bzw. feinster Kondensate. Al kann in best. Fraktionen toxisch sein und Al-Ionen lösen im Blut nachweislich Alzheimer aus. D.h. eine möglichst gute Maske mit Aktivkohlefilter und Feinstaubgeignet ist sinnvoll.
Falls Du "kalt" spritzt (z.B. Kaltgas) sind die Gefahren nicht ganz so akut. Schreib einfach mal kurz, um was es Dir genau geht.

Eine weitere Gefahrenquelle ist unoxididiertes Al in der Absaugung (Kaltgasspritzen), vor allem wenn danach Flammgespritzte Fe-Basis dazu kommt. Stichwort aluminothermische Reaktion. Ansonsten fallen mir spontan keine besonderen Gefahren ein.

Beste Grüße und willkommen im Forum
Christian

Auctus

Interessierter Nutzer

3

Dienstag, 21. Juni 2011, 08:43

Oha

Hallo Christian,



danke für Deine Antwort. Ja ich meinte Lichtbogenspritzen. Oha - Alzheimer ! Auch unangenehm. Aber ich schreib Dir mal meine Situation.

Ich arbeite seit über 10 Jahren mit Lichtbogen, Flammspritzen usw.- Hauptsächlich Aluminium gespritzt - hab das über die Firma

in Japan erlernt- war cool. Aber dann kam Husten, immer wieder müde -also Hausarzt- Röntgen- Lungenarzt- ct s- Krankenhaus- Gewebe aus der

Lunge entfernt und zur Pathologie geschickt, egal also Ergebnis : Aluminose. Tja des wars mit meiner Karriere. Meine sogenannten Vorgesetzten

(Geschäftsführer, Betriebsleiter,usw.) behaupten immer noch des meine Erkrankung durchs rauchen kam. Krass, muß auch dazu sagen des ich

von der Bg anerkannt bin. Gespritzt hab ich immer mit Maske, aber in einer halboffenen Kabine und danach in dem Raum andere Tätigkeiten

wie Strahlen, messen, usw. ausführen müssen. Ich hab die Leute immer wieder darauf hingewiesen das des gesund sein kann, aber immer wieder

die Aussagen "völlig ungefährlich".Ich war einfach nur doof ! :thumbsup:

4

Dienstag, 21. Juni 2011, 15:44

Aluminose

Hallo Auctus,

das klingt hochgradig unerfreulich und ist sehr bedauerlich. Aber es ist sicher sehr gut, die Sache offen und laut zu thematisieren, um alle Leute, die ähnliche Arbeiten verrichten, zu hoher Achtsamkeit zu bewegen. Leider hört man viel zu oft von Mitarbeitern aus Spritzbetrieben, die schonmal Zinkfieber oder ähnliche Erscheinungen am eigenen Leib spüren mussten. Umso schlimmer ist es, wenn dann auch noch Langzeitschäden auftreten. Ich hoffe sehr, dass Du im normalen Alltag keine gravierenden Probleme dadurch hast. Einweiteres großes Problem sprichst Du auch an, die Arbeiten im Umfeld der Spritzkabine oder nach erfolgter Beschichtung, die häufig ohne Atemschutz erfolgen. Wenn man sich den Staub anschaut, der in so manchen Ecken schlummert, ist da nat. eine "permanente" Gefahr vorhanden, die man nicht unterschätzen sollte.
Aber auch wenn man diese Sache festestellt, ist es wahrs. trotzdem fast unmöglich nachzuweisen, dass man eine berufsbedingte Krankheit hat.
Hat sich eigentlich nach Bekanntwerden Deines Problems etwas an der Arbeitsweise in dem Betrieb geändert? Wie gehen die Kollegen mit der Situation um?

Beste Grüße
Christian

Auctus

Interessierter Nutzer

5

Mittwoch, 22. Juni 2011, 08:23

Aluminose

Hallo Christian,

natürlich bin ich auch im normalen Alltag eingeschränkt. Bin von der Berufgenossenschaft als 50 % behindert eingestuft.Aber ich schreib Dir mal was ich nun

alles weiß.Es ist nicht nur der Staub den man sieht, es ist das was du nicht siehst. Ha, was für ein Satz! Allein durch deine Bewegungen ! Aluminium "stinkt"

ja auch nicht, also betrittst du einen Raum der optisch sauber und geruchsfrei ist. Wer denkt da schon dran des es mal so endet.

Nachweisen lässt es sich nur wenn man ein Stück der Lunge entfernt und untersuchen lässt (bei mir 95% der Proben mit Aluminium belastet).Aber jetzt was

Interessantes: Der Betrieb muß Staubmessungen vornehmen, beim Überschreiten des Grenzwertes muß der Betriebsarzt eine Thoraxröntgenaufnahme anordnen.

Also man sieht auf der Röntgenaufnahme nicht was du hast, aber man sieht Veränderungen ! Aber keiner kann dich zwingen des du dich untersuchen lässt.

Ich hab keine Ahnung was sich an der Arbeitsweise meines Betriebes geändert hat, haben sich mit der Berufsgenossenschaft kurzgeschlossen. Ich bin da zwar noch

angestellt - aber seit 2 Jahren krankgeschrieben. Meinen Kollegen gehts prima- sind ja alle "aufgestiegen". Sicher noch eine kleine Gehaltserhöhung extra.

Also : Die Kollegen haben sicher auch Aluminium in der Lunge, das muß ja nicht schlimm sein, bei mir kam halt eins zum anderem. Wie die Ärzte mir erklärten

kommt es meistens durch Erkältungen zu Fibrosen in der Lunge, dadurch Vernarbungen, dadurch schrumpfen usw.



Gruß

Auctus

6

Freitag, 24. Juni 2011, 07:45

Was tun bei Staubbelastung?

...ja eine Vielzahl von Arbeitsschutzregelungen gibt es, aber da über Fälle, wie Deinen, selten diskutiert wird, glaubt jeder, dass schon nichts passieren wird. Ich war gestern zufällig in einem Betrieb, als ich an Deine Problematik denken musste. Es wurde ohne Absuagung geschweißt und überall war es extrem staubig. Ein junges Mädchen hat Schleifarbeiten (definitv kein gesundes Material) verrichtet und sie hatte keine Ahnung, was sie sich da gerade antut. Ihr Werkstattmeister meinte auf unsere direkte Anfrage dazu, dass die Leute alt genug seien. Das war's. Sehr traurig, vor allem, wenn man sich bei seiner Arbeit Mühe gibt und sich einsetzt. Ob das Mädchen später mal Hilfe bekommt, wenn's ihr schlecht geht? ...wahrs. nicht. ;(

Aber zurück zum TS Thema. Ich glaube mittlerweile tut sich wieder mal etwas. Soweit ich weiß, wird die RWTH Aachen in kürze eine Studie in Angriff nehmen, wo Staubemmissionen am Arbeitsplatz untersucht werden. Das ganze passiert auf Drängen der GTS, in der sich Herr Grasme über Jahre sehr stark gemacht hat für den Arbeitsschutz. Ist Dein Betrieb GTS zertifiziert? ...Es gab auch mal eine Untersuchung von der Fa. St. Gobain. Mit dem Ergebnis "Feinstaub eines Diesel-PKW (Grenzwert)*100=Flammspritzen". "...*1000=Lichtbogenspritzen". Das Auditorium stöhnte bei dieser Aussage. An die große Glocke werden solche Ergebnisse aber offensichtlich nicht gehängt. ...aber dafür gibt es ja das Forum.

Beste Grüße und erstmal schönes WE
Christian